Die Verbindung zwischen religiösem Fundamentalismus und der Einschränkung von LGBTQ+ Rechten ist nicht neu. Doch in der Trump-Ära hat diese Allianz eine neue, besorgniserregende Dimension erreicht. Kreationisten – Menschen, die die biblische Schöpfungsgeschichte wörtlich nehmen und wissenschaftliche Erkenntnisse ablehnen – haben nicht nur Einfluss auf Bildungspolitik und Klimaschutz genommen, sondern auch massiv zur Erosion schwuler Rechte beigetragen.
Absurde Thesen, reale Macht
Die Rhetorik kreationistischer Gruppen gegen LGBTQ+ Menschen ist oft so absurd, dass man sie für Satire halten könnte – wäre sie nicht so gefährlich. Hier einige Beispiele:
"Homosexualität ist eine Entscheidung, keine biologische Realität" – Diese These wird von kreationistischen Organisationen wie dem Discovery Institute und Answers in Genesis verbreitet. Sie ignoriert Jahrzehnte wissenschaftlicher Forschung und dient als Grundlage für sogenannte "Konversionstherapien", die in vielen US-Bundesstaaten noch immer legal sind.
Was sind Konversionstherapien? Diese pseudowissenschaftlichen "Behandlungen" basieren auf der Annahme, dass Homosexualität eine Krankheit oder Störung sei, die "geheilt" werden könne. In Sitzungen werden schwule Menschen durch Gebete, Elektroschocks, Ekeltherapien oder psychischen Druck dazu gebracht, ihre sexuelle Orientierung zu "ändern". Die Folgen sind verheerend: Depressionen, Angststörungen, Suizidgedanken. Jede seriöse medizinische und psychologische Fachorganisation weltweit lehnt Konversionstherapien als unwissenschaftlich und schädlich ab. Doch in den USA sind sie in vielen Bundesstaaten weiterhin legal – oft mit Unterstützung kreationistischer Lobbygruppen.
"Schwule Ehen zerstören die natürliche Ordnung" – Ken Ham, Gründer des Creation Museum in Kentucky, argumentiert, dass die Ehe zwischen Mann und Frau Teil der göttlichen Schöpfungsordnung sei. Gleichgeschlechtliche Ehen würden diese Ordnung untergraben und seien daher "gegen die Natur". Diese Argumentation wurde von konservativen Richtern und Politikern aufgegriffen, um gegen die Gleichstellung zu kämpfen.
"LGBTQ+ Rechte führen zum moralischen Verfall der Gesellschaft" – Tony Perkins, Präsident des Family Research Council (einer einflussreichen kreationistischen Lobbygruppe), behauptet regelmäßig, dass die Akzeptanz von Homosexualität direkt zu Pädophilie, Inzest und dem Zusammenbruch der Familie führe. Solche Aussagen sind nicht nur wissenschaftlich unhaltbar, sondern auch zutiefst menschenverachtend.
Resonanz in der Trump-Administration
Was diese absurden Thesen so gefährlich macht, ist ihre Resonanz in den höchsten Regierungskreisen. Während der Trump-Präsidentschaft (2017-2021 und erneut ab 2025) wurden kreationistische Positionen nicht nur geduldet, sondern aktiv gefördert:
Mike Pence, Trumps Vizepräsident in der ersten Amtszeit, ist ein bekennender Kreationist und Befürworter von Konversionstherapien. Er setzte sich aktiv für Gesetze ein, die LGBTQ+ Menschen diskriminieren, und blockierte Initiativen zum Schutz queerer Jugendlicher.
Betsy DeVos, ehemalige Bildungsministerin, stammt aus einer Familie, die kreationistische Schulen und Anti-LGBTQ+ Organisationen finanziell unterstützt. Unter ihrer Führung wurden Schutzmaßnahmen für transgender Schüler*innen zurückgenommen.
Roger Severino, ehemaliger Direktor des Office for Civil Rights im Gesundheitsministerium, arbeitete zuvor für das Heritage Foundation, eine kreationistisch geprägte Denkfabrik. Er war maßgeblich daran beteiligt, Diskriminierungsschutz für LGBTQ+ Menschen im Gesundheitswesen abzubauen.
In Trumps zweiter Amtszeit (ab 2025) hat sich diese Entwicklung fortgesetzt. Kreationistische Berater haben direkten Zugang zum Weißen Haus, und Gesetzesentwürfe, die LGBTQ+ Rechte einschränken, werden auf Bundesebene vorangetrieben.
Konkrete Auswirkungen
Die Folgen dieser Politik sind real und schmerzhaft:
– Konversionstherapien sind in vielen Bundesstaaten weiterhin legal, obwohl sie nachweislich psychische Schäden verursachen.
– Adoptionsrechte für gleichgeschlechtliche Paare wurden in mehreren Staaten eingeschränkt, oft mit Verweis auf "religiöse Freiheit".
– Transgender Rechte werden systematisch abgebaut – von Toilettenverboten bis zum Ausschluss aus dem Militär.
– Schulbücher in konservativen Bundesstaaten vermitteln ein Bild von Homosexualität als "Lebensstil-Entscheidung", nicht als Teil menschlicher Vielfalt.
Widerstand und Sichtbarkeit

Doch es gibt auch Hoffnung. Die LGBTQ+ Community und ihre Verbündeten leisten Widerstand – in den Gerichten, auf der Straße und in der Kultur. Jedes schwule Paar, das öffentlich Händchen hält, jedes Pride-Event, jedes Kunstwerk, das queere Liebe feiert, ist ein Akt des Widerstands gegen diese Ideologie der Unsichtbarkeit.
KUNSTWERK BILDER macht schwule Kunst sichtbar – nicht trotz, sondern gerade wegen dieser Angriffe. Denn Sichtbarkeit ist das Gegengift zu Hass und Ignoranz. Wenn kreationistische Fundamentalisten versuchen, uns zurück in den Schrank zu drängen, antworten wir mit Farbe, Leidenschaft und Stolz.
Der Rollback der LGBTQ+ Rechte in den USA ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer gut organisierten, finanziell starken Bewegung, die Wissenschaft ablehnt und Menschenrechte mit Füßen tritt. Kreationisten haben in der Trump-Administration willige Partner gefunden, die ihre Agenda umsetzen.
Doch Geschichte zeigt: Fortschritt lässt sich nicht dauerhaft aufhalten. Jede Generation muss für ihre Rechte kämpfen – und wir werden nicht aufhören, bis schwule Liebe, schwule Kunst und schwule Leben überall selbstverständlich sind.
Widerstand im Basquiat Stil. Zu unserem Bild
Dieser Blogbeitrag ist Teil unserer Serie über LGBTQ+ Rechte, Kunst und Widerstand. Entdecke unsere Kollektion schwuler Kunst – jedes Bild ein Statement für Sichtbarkeit und Selbstbestimmung.



