Schwul in Uniform – Vom Fetisch bis zu den Liebschaften preußischer Offiziere

Schwul in Uniform – Vom Fetisch bis zu den Liebschaften preußischer Offiziere

Der Fetisch: Warum die Uniform schwule Männer erregt

Es gibt kaum ein Kleidungsstück, das in der schwulen Subkultur so konsequent erotisch aufgeladen ist wie die Uniform. Nicht trotz ihrer Bedeutung – sondern wegen ihr. Die Uniform steht für Hierarchie, Befehl und Gehorsam, für Macht und Unterwerfung, für den Mann, der nach außen Disziplin zeigt und darunter etwas verbirgt. Genau das ist der Kern des Fetischs: das Verbotene hinter der Fassade.

In der schwulen Leder- und Uniformszene hat dieser Fetisch seit den 1970er Jahren feste organisatorische Strukturen. Clubs und Zusammenschlüsse entstanden zuerst in San Francisco und Amsterdam, später in Berlin und anderen europäischen Städten. Der bekannteste internationale Zusammenschluss ist BLUF – Breeches and Leather Uniform Fetish, eine weltweite Organisation schwuler Männer, die Uniformen und Leder als erotischen und kulturellen Ausdruck leben. BLUF hat Mitglieder in Dutzenden Ländern, auch in Deutschland, und organisiert Treffen, Ausritte und Veranstaltungen.

Der Uniform-Fetisch ist kein Randphänomen. Er ist ein Teil schwuler Kultur, der Macht und Begehren zusammendenkt – und der eine lange historische Wurzel hat, auch wenn diese Wurzel lange verschwiegen wurde.

Preußen: Das Schweigen hinter der Disziplin

Gay Art – Zwei preußische Offiziere beim Liebesspiel, Kerzenlicht, historisches Ölgemälde im Stil von Tischbein, Preußen 1760Bild im Shop ansehen

Das preußische Militär war eine der diszipliniertesten, härtesten und am strengsten hierarchisch organisierten Institutionen der europäischen Geschichte. Es war auch eine Welt ausschließlich unter Männern – Kaserne, Feldzug, Offiziersmesse, Schlafraum. Erzwungene Nähe, absolute Abhängigkeit, klare Machtverhältnisse. Was dort entstand, hat die offizielle Geschichtsschreibung konsequent verschwiegen.

Sodomie – der Begriff, mit dem Sex zwischen Männern kriminalisiert wurde – stand in Preußen unter schwerer Strafe. Und trotzdem: Die Realität sah anders aus. Begehren lässt sich nicht per Dekret abschaffen.

Das bekannteste und tragischste Beispiel ist der berühmteste von allen: Friedrich der Große. Als junger Mann liebte er Hans Hermann von Katte, einen Offizier, seinen engsten Vertrauten. Als die beiden versuchten, gemeinsam aus Preußen zu fliehen, ließ Friedrich Wilhelm I. – Friedrichs Vater – von Katte verhaften und hinrichten. Friedrich wurde gezwungen, der Exekution seines Geliebten beizuwohnen. Er war zwanzig Jahre alt.

Friedrich wurde später König. Er führte Preußen zu militärischer Größe, schrieb Philosophie, korrespondierte mit Voltaire – und lebte, soweit bekannt, nie wieder eine enge emotionale Bindung zu einer Frau. Was er war, hat er nie ausgesprochen. Die Geschichte hat es trotzdem nicht vollständig verschwiegen.

Er war nicht der Einzige. In den Kasernen, in den Offiziersmessen, auf den Feldzügen – überall dort, wo Männer monatelang unter sich waren, entstand, was entsteht, wenn Menschen nah beieinander leben: Zuneigung, Begehren, Liebe. Manchmal auch Macht und Missbrauch. Die preußische Armee hat das nie dokumentiert. Sie hat es gelebt und geschwiegen.

Die Abrechnung: Schwule Männer in preußischer Uniform

Gay Art – Zwei preußische Offiziere beim Kuss, Offiziers-Kasino, Totenkopf-Husar küsst Rotjacke, Kerzenlicht, Würfelspiel, Preußen 1760

Der Totenkopf auf der Mütze des Husaren ist kein NS-Symbol. Er ist älter – um fast 200 Jahre. Friedrich der Große gründete 1741 die Totenkopf-Husaren, die berühmteste Eliteeinheit Preußens. Schwarze Uniform, Silberschädel, Memento mori: Wir fürchten den Tod nicht. Was die Nationalsozialisten 1934 übernahmen, war der Missbrauch eines preußischen Symbols.

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Das Selbstbild der preußischen Armee war eindeutig: Härte, Disziplin, Männlichkeit – eine bestimmte Art von Männlichkeit, die Schwäche, Weichheit und Begehren für andere Männer kategorisch ausschloss. Dieses Selbstbild war die Grundlage eines Militarismus, der Deutschland bis in den Zweiten Weltkrieg prägte und Millionen Menschen das Leben kostete.

Zwei Männer in preußischen Uniformen, die sich begehren, die sich lieben, die sich hingeben – das ist keine Hommage an diesen Militarismus. Das ist seine Demontage. Es ist eine provokative Attacke gegen das Selbstbild dieser Armee, eine Abrechnung mit dem preußisch-deutschen Militarismus, der auf einer Lüge gebaut war: der Lüge, dass die Männer, die diese Uniformen trugen, so waren, wie die Uniform sie zeigen sollte.

Sie waren es nicht. Sie waren Menschen. Manche von ihnen liebten andere Männer. Und das zeigen wir.

Die Bilder: Was die Armee nie zeigen durfte

Unsere History Collection zeigt schwule Männer in historischen Uniformen – in Momenten der Intimität, des Begehrens, der Hingabe. Diese Bilder existieren nicht als Verherrlichung des Militarismus. Sie existieren als sein Gegenteil: als Beweis, dass das, was diese Institution am meisten fürchtete, immer schon in ihr war.

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