Van Gogh malte alles - nur nicht schwul

Bilder, die nie gemalt wurden - Ab jetzt wird es schwul

Der Alles-Maler, Schwule ausgenommen – Was wir mit Van Gogh machen

Vincent van Gogh hat alles gemalt. Sonnenblumen, Sternennächte, Schuhpaare, Bauern, Schlafzimmer, Felder, Krähen, sich selbst – immer wieder sich selbst. Er hat die Welt mit einer Intensität angeschaut, die krankhaft war und gleichzeitig das Größte, was die Malerei je hervorgebracht hat. Er hat gemalt, als wäre jeder Pinselstrich ein Atemzug, als würde er sterben, wenn er aufhört.

Aber er hat keine schwulen Bilder gemalt. Nicht einen einzigen Mann, der einen anderen begehrt. Nicht eine Szene, die die Liebe zwischen Männern zeigt. In einem Werk von über neunhundert Gemälden und tausend Zeichnungen: Fehlanzeige.

Das ist keine Kleinigkeit. Das ist eine Lücke, die wir füllen.

Ein Leben am Rand

Vincent Willem van Gogh wird 1853 in Zundert in den Niederlanden geboren, als Sohn eines protestantischen Pfarrers. Er ist das zweite Kind – aber das erste, das überlebt. Sein älterer Bruder, ebenfalls Vincent Willem, starb ein Jahr vor seiner Geburt. Vincent wächst auf mit dem Bewusstsein, ein Ersatz zu sein, ein Name, der schon vergeben war. Das prägt.

Er ist kein einfaches Kind. Eigensinnig, intensiv, sozial unbeholfen. Die Schule interessiert ihn nicht, Konventionen interessieren ihn nicht. Was ihn interessiert, ist die Welt – wie sie aussieht, wie sie sich anfühlt, wie sie riecht. Er ist ein Beobachter, lange bevor er ein Maler ist.

Mit sechzehn beginnt er als Kunsthändler bei Goupil & Cie, dem Unternehmen seines Onkels. Er arbeitet in Den Haag, in London, in Paris. Er sieht Kunst, viel Kunst – aber er verkauft sie, er malt sie nicht. Noch nicht. Stattdessen verliebt er sich, unglücklich, mehrfach, immer in Frauen, die ihn nicht wollen. Er wird religiös, fanatisch religiös, geht als Laienprediger in die belgischen Kohlegruben, lebt mit den Ärmsten, gibt alles weg, was er hat.

Die Kirche entlässt ihn. Zu extrem, zu unkontrollierbar, zu wenig repräsentativ für das, was die Kirche nach außen zeigen will.

Und dann, mit siebenundzwanzig, fängt er an zu malen.

Die Entdeckung der Farbe

Van Goghs frühe Werke sind dunkel. Die Kartoffelesser, 1885 – Bauern um einen Tisch, das Licht einer einzigen Lampe, Gesichter wie aus dem Boden gegraben. Das ist kein schönes Bild. Es soll kein schönes Bild sein. Es soll wahr sein.

Dann kommt Paris. Theo, sein Bruder und lebenslanger Unterstützer, lebt dort, und Vincent zieht zu ihm. Paris 1886 ist die Hauptstadt der modernen Kunst – die Impressionisten, die Pointillisten, Toulouse-Lautrec, Gauguin. Van Gogh saugt alles auf. Und die Farbe explodiert.

Was danach kommt, ist Kunstgeschichte. Arles, die gelbe Farbe, die Sonnenblumen, das Schlafzimmer. Saint-Rémy, die Sternennacht. Auvers-sur-Oise, die Weizenfelder, die Krähen, der Schuss.

Van Gogh malt in zehn Jahren über neunhundert Gemälde. Das ist ein Gemälde alle vier Tage. Das ist kein Malen – das ist Besessenheit. Das ist ein Mann, der weiß, dass die Zeit knapp ist, auch wenn er nicht weiß, wie knapp.

Der männliche Körper bei Van Gogh – und was fehlt

Van Gogh hat Männer gemalt. Säer, Weber, Gefangene, Postboten, Ärzte, sich selbst. Er hat den männlichen Körper bei der Arbeit gezeigt, in der Erschöpfung, in der Würde der Armut. Aber er hat ihn nie begehrt. Nie in der Weise, die uns interessiert.

Dabei wäre das Material da gewesen. Die Männer in Arles – die Soldaten, die Arbeiter, die Fischer. Die Körper, die er täglich sah. Die Intensität, mit der er alles anschaute. Van Gogh hat nichts gleichgültig gesehen. Alles, was er anschaute, brannte sich in ihn ein.

Was hätte er gemalt, wenn er diese Intensität auf die Liebe zwischen Männern gerichtet hätte? Wenn er zwei Männer so angeschaut hätte, wie er die Sonnenblumen anschaute – mit dieser Gier, dieser Verzweiflung, diesem Willen, das Flüchtige festzuhalten?

Die Antwort ist in seinem Stil. Van Goghs Pinselstrich ist körperlich. Er ist nicht glatt, nicht akademisch, nicht distanziert. Er ist Bewegung, Energie, Haut. Wenn Van Gogh einen Körper gemalt hätte, der begehrt wird – einen Männerkörper, der von einem anderen Mann gesehen wird – dann wäre dieser Körper lebendig gewesen wie kein anderer in der Kunstgeschichte.

Gauguin, die gelbe Farbe und das, was zwischen Männern passiert

Wir müssen über Gauguin reden. Paul Gauguin kommt im Oktober 1888 nach Arles, auf Einladung von Van Gogh, der sich ein Künstlerhaus vorstellt, eine Gemeinschaft, eine Bruderschaft. Zwei Monate leben sie zusammen, malen zusammen, streiten zusammen.

Was zwischen ihnen war, hat die Kunstgeschichte als „Freundschaft" und „künstlerische Rivalität" abgehakt. Aber schau dir die Briefe an. Schau dir an, wie Van Gogh über Gauguin schreibt – die Bewunderung, die Abhängigkeit, die Verzweiflung, als Gauguin geht. Der Abend, an dem Van Gogh sich das Ohr abschneidet, ist der Abend, an dem Gauguin ankündigt, Arles zu verlassen.

Das ist nicht nur Freundschaft. Das ist etwas, für das es 1888 keine Sprache gab – zumindest keine, die Van Gogh hätte benutzen dürfen.

KUNSTWERK BILDER benennt es. Nicht als Spekulation, sondern als das, was die Intensität dieser Beziehung nahelegt: zwei Männer, die sich zu nah waren für das, was ihre Zeit erlaubte.

Was wir mit Van Gogh machen

Van Goghs Stil ist unverwechselbar. Die wirbelnden Linien, die dicken Farbschichten, das Licht, das nicht leuchtet, sondern brennt. Kein Maler vor ihm und kaum einer nach ihm hat Farbe so eingesetzt – als Emotion, als Körper, als Schrei.

KUNSTWERK BILDER bemächtigt sich genau dieser Sprache. Wir nehmen Van Goghs Pinselstrich, seine Farbgewalt, seine Fähigkeit, das Innere nach außen zu kehren – und wir malen, was er nicht gemalt hat. Zwei Männer, die sich lieben, in Van Goghs Farben. Die Sinnlichkeit des männlichen Körpers, in Van Goghs Licht. Die Zärtlichkeit zwischen Männern, mit Van Goghs Intensität festgehalten.

Was wäre gewesen, wenn Van Gogh den Blick, den er auf die Sonnenblumen richtete, auf einen Mann gerichtet hätte, den er liebte? Wir zeigen es. Mit Van Goghs Können, und genau das ist so viel wert. 

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