SOLOMON - Wie er aus schwulen Jungs Heilige malte

Bilder, die nie gemalt wurden - Ab jetzt wird es schwul

Simeon Solomon - Ein schwuler Künstler gegen seine Zeit

Es gibt Maler, die ihrer Zeit voraus waren. Und es gibt Maler, die ihre Zeit bezahlt haben. Simeon Solomon gehört zur zweiten Gruppe. Er zahlte mit allem: mit seinem Ruf, seinen Freunden, seinem Lebenswerk, seinem Leben. Was er hinterließ, sind Bilder von einer Schönheit, die wehtut – weil man weiß, was sie ihn gekostet haben.

London, 1840. Eine jüdische Künstlerfamilie im East End. Simeon ist das achte Kind, und er malt, bevor er richtig schreiben kann. Mit 18 hängen seine Werke in der Royal Academy. Die Kritiker sind begeistert. Er ist jung, talentiert, charmant – und er weiß genau, was er ist. Schwul. In einer Zeit, in der das Wort noch nicht existiert, aber die Strafe schon.

Er malt sich durch diese Zeit. Er malt Heilige mit den Gesichtern von Twinks. Er malt Engel, die sich berühren, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt – weil es das ist - wenn schon nicht im Himmel, dann aber so auf Erden. Er malt Bacchus, entrückt und sinnlich, einen Jüngling zwischen Traum und Begehren. Er malt Sleep, zwei Männer, die sich im Schlaf die Hände halten. Kardinal Manning, einer der mächtigsten Kirchenmänner Englands, hängt Solomons Heilige in seine Räumen. Er ahnt nicht – oder will nicht ahnen – dass diese Heiligen die Gesichter der Männer tragen, die Solomon liebte.

Swinburne, der Dichter, ist sein engster Vertrauter. Rossetti, Burne-Jones – die Präraffaeliten nehmen ihn auf wie einen der ihren. Solomon ist mittendrin in der bedeutendsten Kunstbewegung seiner Zeit. Er gehört dazu. Er ist einer von ihnen.

Bis Februar 1873.

Paris. Eine öffentliche Toilette. Eine Verhaftung. „Unzüchtige Handlungen" – so nennt das Gesetz, was Solomon gelebt hat. Die Nachricht erreicht London wie ein Stein ins Wasser. Die Kreise ziehen sich aus. Burne-Jones bricht den Kontakt ab – sofort, endgültig, ohne ein Wort der Erklärung. Swinburne, sein engster Vertrauter, distanziert sich öffentlich. Als hätte es die gemeinsamen Jahre nie gegeben. Als wäre Solomon nie dagewesen.

1874 folgt eine zweite Verhaftung in London. Jetzt ist es vorbei.

Was folgt, sind dreißig Jahre langsamen Verschwindens. Solomon malt weiter – er kann nicht anders. Aber er verkauft seine Zeichnungen auf der Straße, für Pennies. Er trinkt. Er lebt in Armenhäusern. Der Mann, dessen Werke in den Räumen eines Kardinals hingen, schläft auf Holzpritschen zwischen Obdachlosen. Am 14. August 1905 stirbt Simeon Solomon im St. Giles Workhouse in London. Allein. Vergessen. 64 Jahre alt.

Die Kunstwelt, die ihn fallen ließ, entdeckt ihn Jahrzehnte später wieder. Heute hängen seine Werke in den Tate Galleries, im Victoria and Albert Museum, in Privatsammlungen auf der ganzen Welt. Die Männer, die ihn verrieten, sind Fußnoten der Geschichte. Solomon ist geblieben.

Was wir aus seinem Leben gemacht haben

Solomon malte schwule Sehnsucht in Codes, weil er es offen nicht durfte. Wir malen sie offen – weil wir es können und weil wir es müssen. KUNSTWERK BILDER schafft Gay Art im Stil der Meister: nicht als Kopie, sondern als Fortsetzung. Die Bilder, die Solomon nie zeigen konnte – die Umarmungen, die Küsse, die Zärtlichkeit zwischen Männern ohne Versteck und ohne Entschuldigung – die machen wir sichtbar. Das ist seine Hommage. Und unser Auftrag.

„Die Liebe ist der Anfang und das Ende aller Dinge – sie war vor der Welt und wird nach ihr sein." – Simeon Solomon, A Vision of Love Revealed in Sleep (1871)

Gay Art. Schwule Kunst für dein Zuhause. KUNSTWERK BILDER.