CARAVAGGIO - Der Bad Boy des Barock

Bilder, die nie gemalt wurden - Ab jetzt wird es schwul

Caravaggio – Der Maler, der das Licht aus der Dunkelheit riss

Rom, 1606. Ein Mann flieht aus der Stadt. Nach einem Duell liegt Ranuccio Tomassoni tot auf der Straße. Der Flüchtige ist Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio, der berühmteste Maler Roms. Auf ihn ist ein päpstliches Kopfgeld ausgesetzt. Er wird ihm nicht entkommen – er stirbt vier Jahre später, mit 38, unter ungeklärten Umständen, auf der Flucht.

So endet das Leben eines Mannes, der die europäische Malerei für immer verändert hat.

Zurück zum Anfang: Mailand, 1571. Ein Kind aus einfachen Verhältnissen, früh verwaist, früh in der Lehre. Mit Anfang zwanzig kommt er nach Rom – ohne Geld, ohne Protektion, ohne Namen. Was er hat, ist ein Blick, den niemand vor ihm hatte. Er malt nicht, wie Heilige aussehen sollen. Er malt, wie sie aussehen würden, wenn sie wirklich existiert hätten – mit schmutzigen Füßen, ledergegerbter Haut, dem Gesicht eines Tagelöhners. Die Kirche bestellt seine Bilder und lehnt sie ab. Und bestellt sie wieder, weil niemand sonst so malt.

Sein wichtigster Förderer ist Kardinal Francesco Maria Del Monte – ein Mann mit Macht, Geschmack und bekannter Vorliebe für junge Männer. Caravaggio lebt unter seinem Dach, malt für ihn, und die Bilder, die in dieser Zeit entstehen, lassen wenig offen: lautenspielende Jünglinge mit weichen Zügen, ein junger Bacchus, der den Betrachter ansieht, als wäre er eine Einladung. Del Monte schützt ihn. Ohne ihn wäre Caravaggio vermutlich früher gescheitert – oder früher gestorben.

1603 wird Caravaggio wegen Sodomie angezeigt – dem damaligen Rechtsbegriff für homosexuelle Handlungen, strafbar mit Tod oder Verbannung. Die Anzeige versandet, wie vieles in Rom versandete, wenn der richtige Mann dahinterstand. Aber sie steht in den Akten. Seine Modelle sind junge Männer aus der römischen Unterschicht, mit denen er zusammenlebt, trinkt, streitet. Die Intensität, mit der er ihre Körper malt – das ist kein handwerkliches Interesse.

Sein Werkzeug ist das Licht. Nicht das gleichmäßige, gnädige Licht der Renaissance – sondern ein Licht, das aus dem Nichts kommt und alles andere in absolute Dunkelheit taucht. Das Licht trifft, es wählt aus, es urteilt. Was im Dunkeln bleibt, existiert nicht.

Was wäre gewesen?

Caravaggio hat gemalt, was er liebte – und die Gesellschaft seiner Zeit hat es geduldet, solange die richtigen Männer schwiegen. Die Kirche, sein wichtigster Auftraggeber, hätte ihn vernichtet, wenn der Schutz weggebrochen wäre. KUNSTWERK BILDER braucht keinen Kardinal als Schutzpatron. Wir malen die Bilder, die Caravaggio nur in Andeutungen malen durfte – Männer, die sich ansehen, wie er seine Modelle angesehen hat. Ohne Distanz, ohne Entschuldigung.

Caravaggio hat keine Aphorismen hinterlassen. Nur Bilder, die nach 400 Jahren noch brennen.

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